Liebherr

Internationaler Umschlagplatz für Turmdrehkrane

Baumaschinenhersteller Liebherr hat Niederlassung in der Stahlstraße

veröffentlicht in der Schwäbischen Zeitung vom 23. August 2016, Ausgabe Bad Waldsee

Über dem Industriegebiet Bad Waldsee Nord ragt seit knapp zwei Jahren ein riesiger Kran über die Dächer. Es ist jedoch keine Dauerbaustelle, wie sich schnell heraus stellt, wenn man den Weg zum Kranstandort sucht.

Seit 2014 steht der Kran auf dem Waldseer Firmengelände des Baumaschinenherstellers Liebherr, dessen Kranproduktion eigentlich in Biberach zuhause ist.

Unser Mitarbeiter hat den Firmenstandort in der Stahlstraße besucht, um zu erfahren, was es mit dem großen Turmdrehkran auf sich hat und was auf dem umzäunten Firmengelände geschieht. Die meisten Waldseer Leser werden sich noch erinnern, dass auf dem Gelände bis zum Jahre 2009 die Firma „Gnida Walzstahl und Formgebung“ residierte. Der damaligen Wirtschaftskrise fiel jedoch dieses Tradtionsunternehmen zum Opfer. Nach der Insolvenz 2009 retteten sich die meisten Mitarbeiter in eine Auffanggesellschaft, bis im Sommer 2010 schließlich die Hukstahl Gruppe (Hahn und Keller GmbH) aus Neuhausen den Standort in Bad Waldsee übernahm. Doch die Freude währte nicht lange. Bereits zum Ende 2012 machte auch die Hahn und Keller GmbH den Standort in Bad Waldsee endgültig dicht. 50 Mitarbeiter verloren damals ihren Job.

Inzwischen herrscht auf dem Betriebsgelände in der Stahlstraße wieder rege Betriebsamkeit. Rund 20 Mitarbeiter stehen der Chefin Aleksandra Meißner zur Aufgabenerledigung zur Verfügung – und die Aufgaben am Standort Bad Waldsee sind nichts Geringeres, als der weltweite Handel mit gebrauchten Kranen. Dazu kommt noch die Vermietung von Mobilbau- und Turmdrehkranen im Bereich Oberschwaben. Produziert wird in Bad Waldsee nichts, lediglich ein paar Mitarbeiter kümmern sich um Reparaturen, den Service und die Vorbereitungen für den Versand.

Die Niederlassung in Bad Waldsee gehört zu der Sparte Turmdrehkrane, eine komplett eigenständiger Zweig in der Firmengruppe Liebherr. Das Team rund um Aleksandra Meißner ist vielschichtig zusammengesetzt. Ingenieure, Elektriker und vor allem Betriebswirte bilden die bunte Mischung von Experten für den Kranhandel. Meißner selbst hat Betriebswirtschaft und Fremdsprachen studiert. Mit Kenntnissen in Polnisch, Deutsch, Englisch, Spanisch und Indonesisch hat sie beste Voraussetzungen für die internationalen Handelsbeziehungen. Genauso hat auch ihr Team eine große Affinität zu Fremdsprachen, ein Umstand der das Geschäft erleichtert, da es wichtig sei, in der Sprache des Kunden kommunizieren zu können, wie sie im Gespräch erklärt.

Für den Standort in Bad Waldsee hat sich Liebherr deshalb entschieden, weil er zum einen zentral in Oberschwaben liegt, zum anderen aber auch zum Werk in Biberach nur 20 Kilometer Distanz hat. Entscheidendes Kriterium für das ehemalige Gnida-Gelände war aber die große Außenfläche. Bis zu 80 Kranen könnten dort gelagert werden, beim Besuch waren aber gerade mal zehn Stück da. „Je weniger desto besser“ freut sich Meißner, denn dann liegen hier keine Produkte auf Halde. Der Großteil der Krane, die auf dem Waldseer Gelände gelagert werden, gehören zu der Mietflotte von Liebherr, die weltweit rund 1400 Mietkrane umfasst. Rund 100 davon stehen für die oberschwäbische Mietflotte zur Verfügung. Theoretisch kann jedermann einen Kranen mieten, aber Sinn macht es nur wenn man über entsprechende Erfahrung im Umgang mit einem Kran verfügt. In mehrtägigen Kursen kann man bei diversen Kranführerschein erwerben.

Ein paar Gebrauchtkrane befinden sich auf dem Firmengelände. Der Großteil der Gebrauchtkrane aber wird gehandelt, ohne dass sie sich ein einziges Mal auf dem Waldseer Firmengelände befunden haben. Dennoch wird von hier aus die komplette Verkaufsabwicklung für den weltweiten Handel organisiert, erklärt Meißner. Dazu gehören die Bewertung der Gebrauchtkrane, die Vermittlung sowie die Zoll- und Steuerformalitäten.

Dass in Bad Waldsee nicht nur Verwaltung passiert, zeigt sich beim Gang zu den Lagerflächen. Mehrere Männer machen gerade einen Kranen versandfertig, das bedeutet, dass die verschiedenen Bauteile im Containermaß zusammen gepackt werden. Jetzt zeigt sich auch was es mit dem großen Turmdrehkran auf sich hat. Es ist ein 630 EC-H, ein Kranmodell, das besonders geeignet ist, um schwere Lasten zu heben. Hier kommt er zum Beladen und Bewegen der verschiedenen Kranteile auf dem Firmengelände zum Einsatz.

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