Götz Frittrang – ein netter Abend

Netter Abend mit Götz Frittrang

Schwäbischer Zyniker tischt Horrorgeschichten auf

veröffentlicht in der Schwäbischen Zeitung vom 23. April 2018, Ausgabe Bad Waldsee – Aulendorf

 

Etwas verloren steht Götz Frittrang am Ende des zweistündigen Programms im Foyer des Hauses am Stadtsee und wartet auf Interessenten für die Tonträger seiner beiden Programme „Wahnvorstellung“ und „Götzseidank“. Dass er am Samstagabend statt der angekündigten „Wahnvorstellung“ jedoch „Götzseidank“ gegeben hat, haben die von den rund 100 Zuschauern, die an diesem lauen Frühsommerabend ins Haus am Stadtsee gekommen sind, die wenigsten bemerkt.

Da Frittrang zum ersten Mal bei Kultur am See zu Gast war, ist die Programmverwechslung zwar von nachrangiger Bedeutung, allerdings hätte dem recht neuen Programm in der zweiten Hälfte eine gewisse Steigerung noch gut getan. So schön und geistreich die Einfälle und die Erzählweise im ersten Teil auch waren, eine Variation der Themen, Stilmittel und Pointen nach der Pause kam etwas zu kurz. Frittrang, gebürtiger Oberschwabe, ist gerade 40 geworden und fragt sich nun, ob er tatsächlich noch immer der junge Mann ist, der er nach Beendigung seiner Kindszeit mit Ende 20 geworden ist. „Kurz vor dem Pflegeheim ist man dann plötzlich der alte Mann ohne je dazwischen einmal Mann gewesen zu sein“ ist Frittrangs fatale Erkenntnis. Das Alter und der Blick zurück in die Kindheit ziehen sich wie ein roter Faden durch sein Kaleidoskop mit Erlebnissen der skurrilen und bei genauem Hinschauen geradezu haarsträubenden Art. Es sind die Horrorgeschichten aus der guten alten Zeit, die für die Kindeserziehung eine eminent wichtige Rolle spielen und dabei helfen, die wesentlichen Dinge fürs Leben zu lernen. Frittrang hat viel fürs Leben gelernt, so dass ihm nach seiner Aussage „nichts wirklich Schlimmes passiert ist“. Dafür weiß Frittrang aber seit Kindesbeinen an, völlig egal was er gerade im Schilde führt, es gab andere Kinder die waren gleich alt und sahen gleich aus und – die haben getan was man nicht tun soll. Die Folgen waren himmelschreiend katastrophal, denn immer stirbt das Kind und es entstehen horrende Kosten für die Kindsfamilie. Dieser Mix aus Horror, Drohung und Gehirnwäsche härtet ab, selbst wenn als Nebeneffekt ein kleiner Dachschaden miteinhergeht. Da hat´s die heutige Jugend leichter, denn zum einen mangelt es deren Eltern an der nötigen Phantasie für diese Erziehungsmethode, zum anderen sieht die heutige Jugend unverschämt gut aus, wie Frittrang beim Vergleich von alten und neuen Abifotos feststellen muss – und trotzdem Teenager will er nicht mehr sein. Deren zielgruppengerechtes Fernsehprogramm besteht entweder aus Fleischbeschau durch senile Jurymitglieder oder aus Realityfernsehen in dem Asoziale Asoziales tun. Jugendliche die sowas konsumieren sind beim Kabarett leider überfordert. Es ist eine gewaltige Härte, während zweier Stunden darauf verzichten zu müssen, permanent mit dem Smartphone online am Weltgeschehen teilzuhaben. Frittrang nennt es das Beifahrersyndrom, denn jener ist auch der Meinung, dass nichts läuft, wenn er es nicht ständig beobachtet und kommentiert.

Neben all den Geschichten aus der schlimmen Zeit früher, mit den richtig bösen alten Männern, die inzwischen weggestorben sind, lüftet Frittrang als bundesweit gereister Kabarettist das Geheimnis des Schwabenrassismus in der Republik. Nein es ist nicht der Neid auf Daimler, Fischerdübel oder den Zwiebelrostbraten, es ist der Seitenbacher, der die Schwaben als Müslideppen in ganz Deutschland dastehen lässt. Dabei würde kein Schwabe je Seitenbacher essen, denn das ist viel zu teuer.

Es war ein netter Abend, an dem man geistreich unterhalten wurde und auch genügend Raum für trockene Lacher hatte. Frittrang hatte völlig entspannt seine Geschichten erzählt, so wie es gute Freunde eben tun, wenn sie selbst von einer Sache begeistert sind.

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