Mundart – Schwäbisch

Schwäbisch in einer ungeheuren Bandbreite

340 Gäschd schwäzed, singed und heräd mit Begeischderung Schwäbisch

 

veröffentlicht in der Schwäbischen Zeitung vom 24.03.2018, Ausgabe Bad Waldsee – Aulendorf

Der Mundartabend „Mir schwätzet schwäbisch“ lockte am Donnerstagabend 340 Besucher in das seit Tagen restlos ausverkaufte Haus am Stadtsee. Der Landkreis Ravensburg, die Stadt Bad Waldsee, der Förderverein Schwäbischer Dialekt und die „Schwäbische Zeitung“ Bad Waldsee als Organisationskollektiv bewiesen mit einem bunten Potpourri lokaler Musik- und Wortkünstler ein äußerst glückliches Händchen. Alle, egal ob Dunkle Woiza Gang, Florian Angele, Wolfgang Heyer, Paul Sägmüller, die Gruppe Saitencocktail oder der Moderator Bernhard Bitterwolf zeigten wie schön und vor allem vielfältig Schwäbisch sein kann.

„Es schneielet, es beielet, es goht an kalder Wind“ singt die Dunkle Woiza Gäng und ein Blick aus dem Fenster genügte, dann wussten auch jene Gäste, die des Schwäbischen nicht mächtig waren, wovon dieses Lied handelte. Munteres Schneetreiben herrschte über dem Stadtsee, derweil im warmen Haus am Stadtsee zwei Damen und zehn Herren auf der Bühne die Besucher zur aktiven Mundartpflege einluden. Mitsingen und Mitlachen war angesagt. Wer jedoch des Schwäbischen nicht mächtig war und den Abend zur persönlichen Fortbildung nutzten wollte, kam auch auf seine Kosten. Poetry Slammer Wolfgang Heyer beantwortete mit seinem Grundkurs „Schwäbisch für Einsteiger“ so ziemlich alle Fragen, die es zum Charakter und zur Sprache dieses sympathischen Völkchens gibt. Heyer spielte geradezu mit den Worten, reihte sie geistreich aneinander und entwickelte aus der ausgeprägten  Betonung eine Satzmelodie, die selbst ohne Wortverständnis hörenswert war und von der eine begeisternde Ansteckung auf das Publikum übersprang. Auch der schwäbische Comedian Florian Angele hatte für die Nichtmuttersprachler ein paar differenzierte Einblicke in die Feinheiten dieses Dialekts vorbereitet. Das Nachschlagewerk „Etymologie des Schwäbischen“ weiß zu differenzieren zwischen der Mensch, die Menschen und das Mensch – und Angele weiß diese Unterschiede humorig zu kommentieren. Ansonsten aber hat es der bodenständige Bierbrauer nicht so mit der geschwollenen Theorie und den Anglizismen, so dass er nicht ganz zu Unrecht der Frage nachgeht, was man sich eigentlich unter einem „schwäbischen Comedian“ vorstellen soll. Das Comedians Künstler sind, die immer von daheim erzählen, mag zwar in seinem Familienkreis nicht gerade auf Begeisterung stoßen, doch genau das macht Angele in seiner direkten Art und zur Verdeutlichung fällt auch mal der eine oder andere schwäbische Kraftausdruck, aber so weiß wenigstens jeder was gemeint ist.

Alles verstanden hat auch Altlandrat Kurt Widmaier, der sich im Gespräch mit der SZ begeistert zeigte. Gerade den Florian Angele und Wolfgang Heyer habe er bisher noch nicht gekannt. Seit Jahren begleitet er diese Mundartveranstaltung und „es ist jedes Mal ein Erlebnis“, so Widmaier. „Als sehr anziehend“ hingegen bezeichnete Maximilian Eiden in seinem Grußwort die schwäbische Sprache. Eiden muss es wissen, als Bayer hat es ihn nach Ravensburg gelockt, wo er den Kulturbetrieb des Landkreises leitet.

Dass beim Mundartabend aber nicht nur geredet wurde, dafür sorgten die Musiker und Moderator Bernahrd Bitterwolf, denn als es galt gesanglich einzustimmen, ließ sich das Publikum nicht lange bitten. Mit „Sag zum Hüftspeck leise Servus“ sang Birgit Fuchs von Saitencocktail allen aus der Seele und entsprechend stark war der Publikumschor. Ihre Lieder kommen aus dem Herzen, erklärt Fuchs und das geht halt in Schwäbisch besonders gut. „Was wirklich zählt ischd oft klitzeklei“ singt sie im Duett mit Gisela Hecht. Auch die Geschichten von Paul Sägmüller sind eher die kleinen Geschichten aus dem Leben. Aber es sind Geschichten die großartig erzählt sind und humorige Einblicke in das Leben dieses oberschwäbischen Originals geben. „Jugend forscht“ war das Thema und dabei lernte Sägmüller physikalische Grundgesetze, wie den Energieerhaltungssatz. Klingt harmlos, doch ein altes Motorrad das theoretisch 200 km/h läuft und praktisch im Werkzeugkeller an die Wand kracht…… bei Sägmüller blieb kein Auge trocken.

Zum Schluss blieb das gemeinsam gesungenes Abschiedslied „Ade“ – und die Erkenntnis von Angele „Leck mi am Arsch – war des geil heid Oabend“

Beiträge

Verfasst von:

Schreibe den ersten Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.